Das Wichtigste in Kürze
Die Idee
Das Amt Süderbrarup fördert mit dem smarten und vor allem nutzerfreundlichen Gemeinschaftskalender das aktive Leben in seinen Gemeinden. Vereine können ihre Veranstaltungen einfach in den zentralen Open-Source-Kalender einpflegen. Bürgerinnen und Bürger haben über viele Kanäle Zugriff auf diese Informationen – von WhatsApp bis hin zum Brief. Damit ist der neue Kalender ein gelungenes Beispiel sowohl für Digitalisierung als auch für Inklusion.
Die Technologie
Als Basis für die Lösung nutzen die Entwickler von 54 Grad Software die bewährte Open Source-Software Mobilizon und ergänzen diese um die Datenbanklösungen Maria DB bzw. Postgres. Dank des ActivityPub-Protokolls lässt sich der Gemeinschaftskalender des Amt Süderbrarup perspektivisch dezentral mit ähnlichen Kalenderlösungen vernetzen.
Warum Open Source?
Die Unabhängigkeit von Standard-Anbietern bietet Flexibilität und Sicherheit. Funktionen können so programmiert und die Benutzerführung so gestaltet werden, wie es für die individuellen Bedürfnisse passt. Damit lässt sich das verfügbare Budget viel effektiver und genauer einsetzen als bei einem klassischen Einkauf von Lizenzen. Gleichzeitig behalten die Betreiber des Kalenders stets die Hoheit über die Daten innerhalb des Systems.
Die Idee
Smarter Kalender für eine smarte Gemeinde
Im Digitalzentrum von Süderbrarup ist die Zukunft zuhause. Der von außen eher unscheinbare Trakt des Verwaltungsgebäudes des Amt Süderbrarup beherbergt neben modern gestalteten Coworking-Spaces eine technische Ausstattung, die auch in größeren Unternehmen ihresgleichen suchen dürfte: modernste 3D-Drucker, einen charmanten kleinen programmierbaren Roboter namens Dizzy und viele Geräte, die die digitale Transformation anfassbar und erlebbar machen.
Dieser Geist der Innovation passt zum Amt Süderbrarup, denn die Gemeinde mit etwa 11.800 Einwohnerinnen und Einwohnern ist eine von vier „Smart Cities“ in Schleswig-Holstein.
Nicole Döpp ist eines der Masterminds hinter der Digitalisierung im Amt Süderbrarup. Die Projektleiterin Smart City erzählt begeistert und mit Leidenschaft, was sich im Digitalzentrum der Gemeinde abspielt: „Hierher kommen Schulklassen, um die Zukunft hier am Standort mitzugestalten. Auch ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger sind regelmäßig hier, um sich den Umgang mit Smartphone und Tablet erklären zu lassen. Sie alle wissen, dass nützliche digitale Werkzeuge unser Leben zunehmend bereichern und wollen diese für sich nutzen.“
Genau aus diesem Grund setzen Döpp und ihr Team darauf, der Bevölkerung einfach handhabbare und nützliche digitale Helfer zugänglich zu machen. Einer dieser Helfer ist der smarte Gemeinschaftskalender, der gerade in Zusammenarbeit mit der 54 Grad Software aus Flensburg entsteht. Das Projekt ist eines von insgesamt 14 Vorhaben, die von der Landesregierung im Rahmen der Initiative DigitalHub.SH sowohl mit finanziellen Mitteln als auch mit einem spezialisierten Experten-Netzwerk begleitet und unterstützt werden.
In Süderbrarup sind zahlreiche Vereine und Einrichtungen aktiv. Sport- und Kulturveranstaltungen, Feste und jede Menge anderer Gelegenheiten laden zum Feiern ein und dazu, Dinge gemeinsam zu machen. Zwar ist bereits seit einigen Jahren eine Kalenderlösung im Einsatz. Allerdings klagen Nutzerinnen und Nutzer über die komplizierte Bedienung, und der administrative Aufwand für die Verwaltung ist hoch. Viele Veranstaltungen werden folglich erst gar nicht eingetragen. „Wir brauchten eine Lösung, die alle Menschen erreicht, dabei einfach zu bedienen und barrierefrei ist“, sagt Nicole Döpp.
Zwei Partner – eine Idee
Konkretisiert wurde die Idee für den Kalender 2.0 in enger Zusammenarbeit zwischen dem Amt Süderbrarup und der 54 Grad Software. Beide erfuhren mehr oder weniger gleichzeitig von dem vom DigitalHub.SH ausgeschriebenen Call for Concepts. Hier konnten Verwaltungen, Vereine und Unternehmen aus Schleswig-Holstein Projektideen einreichen, die auf Basis von Open-Source-Software Abläufe in Gemeinden und Vereinen verbessern. Nicole Döpp und ihr Team hatten den Bedarf an einer neuen Kalenderlösung identifiziert - die Expertinnen und Experten von 54 Grad parallel über eine Kalenderlösung nachgedacht. „Das Spannende an diesem Projekt war, dass wir nicht in einer klassischen Ausschreibungssituation mit vordefiniertem technischen Konzept waren. Die einzige Vorgabe war, dass der Kalender auf Basis von Open-Source-Software umgesetzt werden muss“, erklärt Samuel Brinkmann, einer der Gründer von 54 Grad Software.
Bis dato hatte sich die Mannschaft von 54 Grad zwar schon mit den unterschiedlichsten Open- Source-Lösungen beschäftigt, aber noch kein größeres Projekt auf dieser Basis realisiert. Aber die Philosophie und der gemeinsame Spirit der Projektpartner war eine ideale Basis, die Kalender-Idee in kürzester Zeit in ein machbares Konzept zu gießen, das dann auch als einer der Gewinner aus dem Call for Concepts hervorging.
Die Technologie
Mobilizon - das starke Fundament
Wie die meisten Open-Source-Lösungen setzt auch der smarte Gemeinschaftskalender aus Süderbrarup auf einer bestehenden Software auf und nutzt diese als Basis. Sie wird entsprechend der individuellen Anforderungen aus Süderbrarup angepasst und ausgebaut. In diesem Fall fiel die Wahl auf Mobilizon.
Mobilizon gilt in der Open-Source-Community als leistungsstarke und flexible Lösung für die Organisation von Veranstaltungen und die Vernetzung von Gemeinschaften. Entwickelt von der französischen Non-Profit-Organisation Framasoft bietet Mobilizon die Möglichkeit, Veranstaltungen zu erstellen, zu teilen und zu verwalten – ohne den Datenschutz zu gefährden oder unerwünschten Werbeanzeigen ausgesetzt zu sein. Mobilizon bringt eine intuitive Benutzeroberfläche mit, verfügt per se schon über starke Datenschutzrichtlinien und hat die Möglichkeit zur Integration in bestehende Open-Source-Ökosysteme.
„Mobilizon ist das Fundament, auf das wir aufbauen. Und genau das ist der Charme bei Open-Source-Software. Eine starke Community hat schon etwas gebaut, das wir nutzen und weiterentwickeln. Unser Ergebnis spielen wir dann natürlich wieder in die Community zurück und ermöglichen so die Nachnutzung, zum Beispiel durch andere Kommunen“, erklärt Samuel Brinkmann. Ein Vorteil dieses Ansatzes ist offensichtlich: Die Entwicklungskosten sind deutlich günstiger als bei einer kompletten Neuprogrammierung.
Technische Umsetzung
Auf der Grundlage von Mobilizon setzt 54 Grad die individuellen Anforderungen aus Süderbrarup um. Dazu arbeiten die Entwickler und Entwicklerinnen mit PHP als Programmiersprache. Maria DB oder Postgres kommen als Datenbank zum Einsatz, in der die für die Kalenderlösung notwendigen Informationen gespeichert werden. Außerdem basiert die Plattform auf dem ActivityPub-Protokoll. Das ermöglicht perspektivisch eine dezentrale Vernetzung ähnlicher Kalenderlösungen. Ein Beispiel: Würden die Nachbargemeinden des Amt Süderbrarup oder etwa der Tourismusverband der Region ebenfalls Kalender auf Mobilizon-Basis nutzen, könnten die Bürger und Bürgerinnen Süderbrarups mit ihrem Zugang zum Kalender auch die Events der anderen Gemeinden oder Organisationen sehen.
„Diese Interoperabilität, wie es im Fachjargon heißt, bildet nahezu perfekt das föderale Modell in Deutschland ab“, sagt Melissa Braimah, Produkt- und Kundenverantwortliche bei 54 Grad. „Gerade für den ländlichen Raum ist es aufgrund der eher dünnen Besiedelung und der oft weiten Wege wichtig zu wissen, welche Veranstaltung für mich interessant ist. Ein zentraler Kalender mit möglichst vielen Zugriffsmöglichkeiten ist hierfür die ideale Lösung“, ergänzt Melissa Braimah.
Nicole Döpp vom Amt Süderbrarup spinnt diesen Gedanken weiter. „Je mehr umliegende Gemeinden oder Organisationen offene Kalender nutzen, die sich miteinander verbinden lassen, desto größer wird der Radius, in dem sich Bürgerinnen und Bürger nach spannenden Events umschauen können. Das fördert den Austausch und das Gemeinwesen.”
Vermutlich einzigartig: Infos per WhatsApp oder Brief
Brinkmann und sein Team haben sich neben einem ansprechenden Design und einer gut bedienbaren Benutzeroberfläche vor allem um die Frage gekümmert, wie Daten einfach in das Tool hineinkommen und wie sie als gut aufbereitete Information über verschiedene Kanäle an die Menschen gebracht werden können. Das geschieht über eigens entwickelte Schnittstellen. Über diese können Vereine Termine automatisiert in den Kalender einspielen. Ein Beispiel: Pflegt die Freiwillige Feuerwehr bereits einen internen Kalender, so muss dieser nur einmal mit dem smarten Gemeinschaftskalender verknüpft werden. Alle weiteren Einträge in den Feuerwehr-Kalender landen dann automatisch im Gemeindekalender, sofern diese Termine für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Selbstverständlich lassen sich Termine auch per Hand einpflegen.
Nutzerinnen und Nutzer können Informationen über Veranstaltungen über ihren bevorzugten Weg beziehen - sei es per E-Mail, SMS, WhatsApp oder sogar per Brief. Auch das Ausspielen der Termine auf Infomonitore ist dank der Arbeit von 54 Grad möglich. Dieser Ansatz ist maximal inklusiv und barrierefrei, erlaubt ein hohes Maß an Wahlfreiheit und ist in dieser Form vermutlich bei keinem Anbieter von Standardsoftware erhältlich.
Werbemittelgenerator inklusive
Als drittes Modul neben dem Import und dem Export von Veranstaltungsdaten bringt der smarte Gemeinschaftskalender einen Werbemittelgenerator mit. Dieser erleichtert es vor allem kleinen Organisationen, ansprechende und informative Ankündigungen für Veranstaltungen und Feste mit wenigen Klicks zu gestalten. Vereine und Institutionen können ihre eigenen Farben und Logos im System hinterlegen und eine Schriftart auswählen. So entstehen schnell und vor allem ohne großen finanziellen Aufwand Vorlagen für Social Media-Posts oder für druckfähige Plakate. Die Ankündigung kann außerdem - falls gewünscht - auf den schon beschriebenen Infomonitoren ausgespielt werden.
Der smarte Gemeinschaftskalender im Amt Süderbrarup soll Mitte 2025 an den Start gehen. Von der Auftragserteilung bis zum Launch werden dann etwa eineinhalb Jahre Arbeit in dem Projekt stecken. Auf dem Weg dahin wurden bisher und werden weiterhin immer wieder potenzielle Veranstalter und Veranstalterinnen um Feedback und Input gebeten. Auch sind Beta-Tester und -Testerinnen aus der Bevölkerung in den Prozess eingebunden. Bevor der Kalender also für alle freigeschaltet wird, haben ihn viele Menschen auf Herz und Nieren geprüft.
Warum Open Source?
Open Source - Die Philosophie der Freiheit
Ähnlich wie die Landesverwaltung von Schleswig-Holstein ist auch das Amt Süderbrarup bestrebt, einen möglichst hohen Grad an digitaler Souveränität für sich und seine Bürgerinnen und Bürger zu sichern. Die Unabhängigkeit von Standard-Anbieter sichert dem Projektteam ein hohes Maß an Flexibilität. Konkret auf den smarten Gemeinschaftskalender bezogen heißt das: Funktionen können so programmiert und die Benutzerführung so gestaltet werden, wie es für die individuellen Bedürfnisse passt. Damit lässt sich das verfügbare Budget viel effektiver und genauer einsetzen als bei einem klassischen Einkauf von Lizenzen für eine Standard-Software. Gleichzeitig behalten die Betreiber des Kalenders stets die Hoheit über die Daten, die in das System eingepflegt werden. Open Source bietet auch Sicherheit: Der Code ist einsehbar, was Transparenz schafft und Hintertüren oder Sicherheitslücken schneller aufdeckt. Gerade in der öffentlichen Verwaltung, wo Datenschutz eine zentrale Rolle spielt, ist das ein großer Vorteil.
Aus Sicht der Auftraggeber beschreibt Nicole Döpp einen der Vorteile des Open-Source-Ansatzes so: „Mit Open Source ist es viel leichter, unsere eigenen Bedürfnisse in der Kalender-Lösung abzubilden. Das gilt natürlich auch für viele andere Anwendungen in der Verwaltung.” Samuel Brinkmann blickt aus Entwicklersicht auf Open Source und betont: „Einer der vielen Vorteile für unseren Anwendungsfall war, dass es zum Beispiel schon eine fertige Definition gibt, wie eine Veranstaltung technisch aussieht. Die semantische Beschreibung eines Events und die Festlegung, was alles dazu gehört, läuft bereits produktiv auf Servern. Das heißt, die Funktionen sind geprüft und getestet, worauf wir uns dann auch verlassen können.”
Nachhaltiges und regionales Hosting
Auch beim Hosting setzt Süderbrarup auf Nachhaltigkeit. Der Kalender läuft auf den Servern von Windcloud, einem Anbieter, der zu 100 Prozent auf grünen Strom setzt. Außerdem arbeitet Windcloud mit einem ökologisch sinnvollen Abwärmekonzept: Die beim Betrieb des Rechenzentrums entstehende Wärme wird für eine Algenzucht genutzt. Diese Algen wiederum finden Verwendung in im medizinischen und kosmetischen Bereich. „Digitalisierung muss eben nicht zwangsläufig auf Kosten der Umwelt gehen“, ist Nicole Döpp überzeugt.
Von Süderbrarup in die Fläche
Der smarte Gemeinschaftskalender zeigt, wie Digitalisierung gelingen kann. Er verbindet technische Innovation mit sozialer Verantwortung, indem er Veranstaltungen sichtbar macht und dadurch die Teilhabe fördert und das Gemeinschaftsgefühl stärkt. „Der smarte Gemeinschaftskalender ist mehr als nur ein digitales Werkzeug. Er wird dem lebendigen Gemeindeleben im Amt Süderbrarup nochmal einen deutlichen Schub verleihen“, ist sich Nicole Döpp sicher.
„Süderbrarup beweist: Auch kleine Gemeinden können große digitale Schritte machen – wenn sie den Mut haben, neue Wege zu gehen“, betont Alexander Rosenthal, Projektleiter bei DigitalHub.SH und unterstreicht: „Es ist ein Beispiel dafür, wie Open Source die öffentliche Verwaltung revolutionieren kann. Offenheit, Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit stehen hier im Mittelpunkt.“
Projektdetails
Partner
Smart City Amt Süderbrarup
54 Grad Software GmbH
Entwicklungszeitraum
Oktober 2024 - Juli 2025
Bei Fragen rund um das Projekt hilft unser Projektmanager Jörg weiter: